Fluch oder Segen

    Ständige Erreichbarkeit

    Bist du auch permanent erreichbar? Per What’s up, E- Mail, Sms, Telefon erreichen dich tagsüber x Sprachnachrichten, Bilder, Witze, Anfragen und Einladungen? Immer wieder informierst du dich über Instagram, Twitter & Co. was in deinem Freundeskreis und darüber hinaus passiert, bewegt und erlebt wird?

    Das Bedürfnis sich mitzuteilen

    Hast du auch das Bedürfnis dich regelmässig mitzuteilen und anderen zu zeigen, was du so treibst, erlebst und tust? Bist auch du beruflich auf Xing und LinkedIn aktiv, beantwortest regelmässig Verlinkungs- und Verkaufsanfragen? Nun ja, für viele von uns ist das ein grosser und wichtiger Bestandteil unseres Alltags. Viele stehen auf und schauen als erstes nach dem Erwachen auf ihr Smartphone, um zu erfahren, was es Neues gibt.

    Sich mitzuteilen ist ein Grundbedürfnis des Menschen und das ist auch ok. Sich permanent zu vergleichen, was sehr oft automatisch passiert, stresst und macht unzufrieden.

    Chancen, Nutzen und Gefahren

    Nur damit das gesagt ist, ich nutze selbst all diese Portale und Netzwerke und liebe konstruktiven Austausch, die Möglichkeit aus verschiedenen Angeboten für am Samstagabend auszuwählen, Freunde spontan zu treffen und meine Dienstleistung im Netz anzubieten und zu bewerben. Ich mag diese neuen technischen Errungenschaften, sehe die Chancen und den Nutzen aber auch die Gefahren dahinter.

    Wann ist genug, genug oder sogar zu viel? Ab wann verlieren wir uns in all den Möglichkeiten, Unverbindlichkeiten und sind gestresst davon nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu können? Wo fängt es an gefährlich zu werden, weil wir uns nur noch im Aussen befinden, uns dauernd präsentieren und darum bemüht sind uns bestmöglich darzustellen und nicht mehr fähig sind abzuschalten?

    Die Balance muss stimmen

    Auch hier kommt es auf das richtige Mass an und natürlich gibt es verschiedene Phasen im Leben. Es ist für unseren Körper kein Problem, zeitweise mehr unterwegs zu sein, mehr Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, solange diese aktiven Phasen auch von ruhigeren Abschnitten abgelöst werden.

    Der Körper gibt Signale

    Im Gespräch mit Kunden wird oft schnell klar, dass jeder anhand verschiedener Signale des Körpers wie zum Beispiel Unkonzentrierheit, zunehmende Vergesslichkeit, unruhiger Schlaf, Appetitlosigkeit oder übermässiger Zuckerkonsum, sowie Gereiztheit (um nur einige zu nenen) Feedback darüber erhält, dass der Stresspegel wieder einmal zu hoch ist oder zu lange angehalten hat. Das Problem: Sehr oft ignorieren wir diese Anzeichen zunehmender Erschöpfung, was der Körper erstmals so hinnimmt und weiterhin versucht, die Datenflut und das Aktivitätslevel zu bewältigen bis er irgendwann nicht mehr kann.

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    Tipps und Tricks

    Ich selbst habe mir einige Strategien und persönliche „Regeln“ zugelegt, um meinen Stress aufgrund permanenter Verfügbar- und Erreichbarkeit und Informationsflut zu reduzieren:

    1. Sämtliche Social Media Plattformen werden nur 2x, max. 3x am Tag besucht und Anfragen beantwortet. Das gilt auch für den E- Mail Verkehr. (Diese Regel darf ich in Zukunft noch konsequenter umsetzen 😉 )

    (E- Mails anzuschauen, wenn man weiss, dass man sie sowieso nicht gleich beantworten kann, verursacht unnötigen Stress nur schon dadurch, dass wir uns immer wieder daran erinnern müssen es nicht zu vergessen.)

    2. Genau aus diesem Grund führe ich verschiedene To-Do-Listen. Alles, was noch heute erledigt werden muss, die Zeit aber gerade fehlt, kommt auf die To-Do-Liste Prio 1. Somit erspare ich mir das permanente geistige wiederholen davon, was ich nicht vergessen darf. Was keine so hohe Priorität hat, kommt auf eine To-Do-Liste für die laufende Woche. (Prioritäten setzen entspannt.)

    3. Ich habe mir auf meinem Telefon eine Combox eingerichtet und „erziehe“ meine Kunden dazu, dass sie mir darauf sprechen, wenn ich einmal nicht erreichbar bin. (Oder sie schicken mir eine Nachricht) Dann weiss ich beim Rückruf auch gleich, worum es geht und kann mich bei Bedarf darauf vorbereiten.

    4. Ich besitze keinen Fernseher. Das sinnlose Berieseln lassen vor dem Fernseher stiehlt einem wertvolle Lebenszeit und macht auf Dauer unzufrieden. Der Versuchung zu widerstehen, wenn man müde und gestresst nach Hause kommt, ist für viele einfach zu gross, darum habe ich persönlich das Problem so gelöst. Das heisst aber nicht, dass ich  nicht gerne von Zeit zu Zeit einen bewusst ausgesuchten Film schaue.

    5. Ich lese keine Zeitung. (Nein auch nicht online!) Dieses Geständnis hat schon manch ungläubige bis unverständliche Reaktionen hervorgerufen.

    Hier die Erklärung: Lesen ist geistige Nahrung. Nachrichten sind fast durchgehend sinnlos oder negativ und dieser Energie entziehe ich mich. Klar, ist es traurig, dass in anderen Ländern schlimme Dinge passieren. Aber wir sind durch die Medien bereits so abgestumpft, dass wir sowieso nicht für alles Mitgefühl aufbringen können. Hinzu kommt, dass ich es nicht beeinflussen kann, wenn in Indien durch einen tragischen Autounfall jemand umkommt. Ich kann es nicht einmal verhindern, wenn es bei mir um die Ecke geschieht. Soll heissen, ich konzentriere mich ganz auf mein Mikroumfeld, indem ich etwas bewirken kann. Da nimm ich Anteil, höre aktiv zu, bin da und stehe zur Seite. Und so nebenbei: Jede wichtige, wirklich bahnbrechende Nachricht hat mich noch immer erreicht, sei es durch Kunden, Freunde oder sonst wie.

    6. Ich höre keinen Radio. Da die Radiosender davon ausgehen, dass ein durchschnittlicher Autofahrer 20 min im Auto sitzt, wird ca. alle 20 Minuten alles wiederholt. Sitze ich länger im Auto komme ich mir vor wie ein Vollidiot. Das nervt. Radio aus. Hörbuch oder Musik, die mich beflügelt und mir gut tut, rein.

    7. Wenn ich Freunde oder Kunden treffe, bleibt das Smartphone in meiner Handtasche und wird nicht auf dem Tisch oder in Reichweite platziert. (Für mich auch eine Anstandsfrage) Meine Aufmerksamkeit, gehört während dieser Zeit meinem Gegenüber. Erwarte ich einen dringenden Anruf, kann man selbstverständlich einmal eine Ausnahme machen.

    8. Immer wieder gönne ich mir Abende, an denen ich den Flugmodus bei meinem Smartphone aktiviere und mich offline schalte. Während ich schlafe, ist das Smartphone sowieso im Flugmodus und das Wlan aus. Wenn etwas Schlimmes passiert, erfahre ich es noch früh genug. (Für die, die das zu radikal ist, es gibt auch den sogenannten „Mond-Modus“ mittels dieser Funktion können einzelne wichtige Personen definiert werden, die einem immer noch anrufen können)

    9. Von Zeit zu Zeit gehe ich sogar einen Schritt weiter und lasse mein Telefon einfach einmal zu Hause oder im Auto. (Ja, das geht und ist wahnsinnig befreiend!)

    Wie gesagt, das sind meine Strategien und Regeln, um diese Medien für mich konstruktiv zu nutzen. Nicht immer halte ich mich ganz strikt an diese Regeln aber sie helfen mir dabei, bei mir zu bleiben. Vielleicht hast du ja einmal Lust, das eine oder andere auszuprobieren? Schreibe mir ein Feedback! Auch wenn du weitere Ideen oder eigene Strategien entwickelt hast- ich freue mich auf deine Rückmeldung!

     

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