In allen Berufen, in denen wir nahe und intensiv mit Menschen zusammenarbeiten ist die Haltung Menschen gegenüber eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Aber auch im privaten Bereich mit unserer Familie, unseren Partner gewinnen die Zwischenmenschlichen Beziehungen an Qualität und Tiefe, wenn man gewisse Grundprinzipien einübt und umsetzt. (Inspiriert wurde ich zu diesem Text von Sabine Asgodom und ihrem Hörbuch „So coache ich“)

    Das wichtigste und auch eines der schwersten Prinzipien ist:

    1. NICHT werten.
    Wir bewerten alles und jeden. Wir vergleichen, wägen ab und ziehen blitzschnell Schlüsse über Andere aufgrund vom äusseren Erscheinungsbild, Gesten, einzelnen Sätzen usw. Klar, bekommen wir innerhalb der ersten Sekunden einen ersten Eindruck, wenn uns jemand begegnet. Das ist und war vor geraumer Zeit eine wichtige Fähigkeit, um Gefahren so schnell wie möglich zu erkennen und Situationen und Menschen schnellstmöglich einzuschätzen. Aber wir wissen alle aus eigner Erfahrung, dass der 1. Eindruck stark von unseren Erlebnissen in der Vergangenheit und die Art und Weise, wie wir sie beurteilt, empfunden und erlebt haben, beeinflusst wird und auch einmal täuschen kann. Also wie wäre es einmal ganz bewusst nur wahrzunehmen was ist? Anstatt: „Oh je, was für eine komische Farbe die Hose dieses Mannes hat, wie unpassend seine Schuhe dazu wirken und wie arrogant der da steht und sich breit macht“ mit „Dieser Mann, gross, farbige Hose, braune Tasche, steht sehr breitbeinig da“. Die Kunst des NICHT-WERTENS will gelernt und muss geübt werden und stellt immer wieder einmal eine Herausforderung dar. Auch ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich vorschnell Schlüsse über andere Personen ziehe, die ich so gar nicht wissen kann. Das heisst jetzt nicht, dass  man sein Bauchgefühl völlig ausser Acht lassen soll aber die vorschnellen Gedanken, die sich aus einem Gefühl heraus vorschnell im Kopf entwickeln, sollte man versuchen so genau wie möglich zu beobachten und zu hinterfragen. Probiere es aus, du wirst erstaunt sein, was nur schon deine Absicht nicht mehr so schnell zu werten bewirken kann.

    2. Höre den Mitmenschen in deinem Leben ACHTSAM zu.
    Achtsames zuhören will gelernt sein. Es erfordert Geduld, einfach einmal zu zuhören, jemanden nicht zu unterbrechen und nicht einfach davon auszugehen, dass man sowieso weiss, was der Andere sagen will. Kennt ihr Gespräche, in denen jemand einfach nur abwartet, bis man aufhört zu sprechen, nur damit der Andere selber in diese Lücke springen kann, um von seinen eigenen Gedanken und Geschichten zu erzählen, ohne auch nur einmal auf das einzugehen, was du gesagt hast? Vielleicht kennst du diese Verhalten aber auch von dir. Das ist keine Schande sondern menschlich. Allerdings ist das vorallem im beruflichen Umfeld und im Dienstleistungsbereich ein „NO GO“, das dir das Genick brechen kann. Genauso kann es dein grösster Vorzug werden und dich von der Konkurrenz abheben, wenn du deinen Kunden aktiv zuhörst und deine Dienstleistung entsprechend den Kundenwünschen ausrichtest. Aber auch im privaten Bereich kann es deine Beziehungen befruchten, wenn du jemanden freundlich darauf hinweist, dass du dir wünschen würdest, dass er dir aktiv zuhört oder aber du fängst selber an, genauer hinzuhören, wenn dir jemand etwas erzählt.

    3. Nimm wahr was ist
    Setze deine Sinne ein. Schau ganz genau hin. Welche Gesten und Mimik nimmst du wahr, wenn du dich ganz auf jemanden konzentrierst? Hast du das Zucken deines Gegenübers um die Augen, an einer bestimmten Stelle des Erzählens gesehen? Gehst du mit dem Anderen mit und nimmst wirklich wahr was gerade ist und abläuft? Wenn du genau hinsiehst, bekommst du zusätzlich zu den Worten, die jemand spricht, diverse weitere wichtige und aufschlussreiche Hinweise, die im Miteinander jeglicher Art von grosser Bedeutung sein können.

    4. Spüre, was fehlt
    Wenn dir jemand etwas erzählt versuche zu spüren, was demjenigen fehlt. Hinter jeder Erzählung steht ein Bedürfnis. Manchmal ist es nur das „Erzählenkönnen“ selber und man braucht nur jemanden, der einem aktiv zuhört. Manchmal erhofft man sich vielleicht einen Rat oder man möchte eine zweite Meinung aus einer anderen Perspektive erhalten. Was es auch ist, versuche heraus zu spüren was fehlt, ohne dabei besserwisserisch zu wirken und unaufgefordert deine Ratschläge zu verteilen. 

    5. Frage statt zu interpretieren
    In der Zusammenarbeit mit Menschen ist es von enormer Bedeutung Fragen zu stellen. Wenn du dein Gegenüber einschätzen können oder besser kennen lernen möchtest, höre nie auf Fragen zu stellen. Geh nie davon aus, dass du weisst, was im Kopf eines anderen Menschen vor sich geht. Manchmal nehmen wir bereits unsere eigenen Gedanken nicht wahr, können nicht einschätzen woher genau unsere Gefühle kommen und was sie uns sagen wollen. Davon auszugehen, dass ich bei einem anderen Menschen einfach so weiss, was in ihm vorgeht ist anmassend. Daher stelle so viele Fragen wie du kannst. Teile deinem Gegenüber mit, was dir bei seinen Erzählungen durch den Kopf geht und wie du sie deutest aber vergiss nie, dass du es nur sicher wissen kannst, wenn du nachfragst.

    6. Erkenne deine eigene Begrenztheit
    Immer wenn du mit Menschen zusammen arbeitest oder im Privaten Zeit  mit Freunden und der Familie verbringst, wirst du an Grenzen stossen, bei denen du insgeheim für dich denkst: „Das traue ich ihm/ihr jetzt aber nicht zu.“ oder „Das ist jetzt wirklich eine unrealistische Vorstellung.“ Es kann sein, dass du recht hast aber vergiss bitte nie, dass deine eigne begrenzte Vorstellungskraft nicht bedeutet, dass dein Gegenüber nicht über diese Grenzen hinauswachsen kann und für dich Unvorstellbares erreichen wird. Das bedeutet nicht, dass du nicht ehrlich zu gewissen Dingen deine Zweifeln äussern kannst aber unterschätze nie, was Menschen erreichen können, wenn sie etwas wirklich wollen. Daher ist es ratsam, bei all deinen Zweifeln einen Menschen dennoch zu unterstützen, auch wenn du dir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht vorstellen kannst, dass seine oder ihre Wünsche Realität werden können.

    7. Achte auf die Stärken des Anderen
    Einer der wichtigsten Grundsätze, die im Zusammenhang mit Menschen gelten ist, das Achten auf die Stärken deines Gegenübers. In der Schule haben wir gelernt, dass immer nur das rot markiert wird, was falsch ist und dass wir an unseren Schwächen arbeiten sollen. Dabei vergessen wir im Alltag allzu oft, dass es viel wirkungsvoller ist, auf die Stärken des Anderen zu achten und diese zu fördern. Dies gilt für den beruflichen wie den privaten Bereich in unserem Leben. Wenn den den Stärken der Anderen mehr Beachtung schenken und diese fördern, motiviert und stärkt das unser Gegenüber und lässt es vielleicht viel schneller als wir ahnen über die eine oder andere Schwäche hinauswachsen.

    Zum Ausprobieren: Um das aktive Zuhören zu üben, gibt es eine wunderbare Übung von Moeller aus der Paartherapie das sich Zwiegespräch nennt (sich aber auch sehr gut eignet für Freundschaften oder Familienmitglieder:

    Regeln für Zwiegespräche

    Feste Zeit
    Vereinbart pro Woche einen Termin und einen Ersatztermin (falls beim 1. etwas dazwischenkommt), an dem ihr ungestört „allein zu zweit“ 60- 90 Minuten lang miteinander sprechen könnt.

    paar geniet einen cappuccino im caf

    Fester Ablauf
    Setzt euch gegenüber, denn das Wesentliche wird optisch übermittelt, nicht über die Sprache. Schaltet Störungen aus (Telefon, Computer, Hintergrundmusik, Fernsehen). Kürzt das Gespräch nicht ab und verlängert es nicht.

    Fester Wechsel
    Für Zwiegespräche benötigt ihr eine Uhr. 15 Minuten sprichst du, dann 15 Minuten der Andere. Wenn du zuhörst, stellst du keine Fragen, nicht einmal Verständnisfragen.

    Festes Thema
    Jeder von euch erzählt, was ihn derzeit am meisten bewegt.  Jeder bleibt bei sich selbst als Thema. Wenn du über den anderen sprichst (was natürlich erlaubt ist), dann nicht wertend, sondern du schilderst einfach deine eigenen Empfindungen im Blick auf den Partner. Das ist der Unterschied zu Streitgesprächen in der „Beziehungskiste“, in denen jeder dem anderen weismachen will, wie er wirklich sei. Nach 15 Minuten wird gewechselt, jetzt gelten die gleichen Spielregeln nur umgekehrt. Selbstverständlich darf auf das bereits gesprochene Bezug genommen werden, aber es wird einmal mehr vom Anderen nicht kommentiert. Wenn die Gesprächszeit um ist, wird an diesem Abend nicht mehr darüber diskutiert, um das Gesagte einfach einmal setzen zu lassen. Selbstverständlich kann zu einem späteren Zeitpunkt ein Thema nochmals aufgegriffen und diskutiert werden. Es wird dich erstaunen, das dir dein Partner oder deine Freundin alles Neues über sich und seine Sicht der Dinge erzählt. 🙂

    Wie immer freue ich mich über jedes Feedback von dir 😉

     

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